Imago mortis

Die sechs gut erhaltenen Mumien aus der Gruft der Parochialkirche in Berlin-Mitte wirken nach ca. 250 Jahren immer noch emotional lebendig, sie strahlen Eigenart und eine starke Präsenz aus.
Klassisch in Schwarzweiß portraitiert, mit dauerhaften Abzügen auf Barytpapier, möchte ich ihre Würde respektieren. Auch im Tod ist ein Teil ihrer Individualität noch wahrnehmbar, sie lösen eine Resonanz in uns aus, sie erinnern uns, sie sind unvergänglich in ihrer Gegenwart.
Die Bestattungen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die Gruft war als Begehungsstätte, zur Demonstration von sozialem Status und Reichtum gedacht. Durch ein ausgeklügeltes Belüftungssystem, das für ständigen leichten Luftzug sorgte, trockneten die Leichname aus. Die Mumifizierung der Toten war ein beabsichtigter Vorgang. Die Toten sollten besucht und betrachtet werden. Einige Särge verfügen über Guckfenster, durch die die Toten angeschaut werden können.
Die Menschen des Barock grenzten den Tod nicht aus: es war erwünscht, die Toten zu besuchen und zu betrachten – und so etwas für das Leben und den Umgang mit der Endlichkeit zu erfahren.
In diesem Sinne wirken die Fotografien im Geiste der Toten.

Sechs Portraits, 47 x 47 cm, Silbergelatine, 2002

(Aus Gründen der Pietät findet sich auf dieser Seite keine digitale Reproduktion der Arbeit.)

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