Die „Salze“ im Historischen Packhof Hann. Münden

Vom 05.-26.07.15 zeige ich im Historischen Packhof Hann. Münden im Rahmen der Sommerausstellung des Mündener Kulturrings e.V. meine neue Arbeit „Salze l / Salze ll“ – hier finden sich einige Dokumentationsfotos und Auszüge aus der Einleitung der Kulturjournalistin Tina Fibiger. Unter diesem Link findet sich die Konzeption der Arbeit.

„… Kehren wir noch einmal zurück zu den vier Elementen, Erde Luft, Feuer und Wasser und wie erfinderisch sie sich auch außerhalb von naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten und ihren Abweichungen verhalten.  Der serbische Dichter Miodrag Pavlovic hat sie in seiner „Cosmologia profanata“ beobachtet, wie sie voneinander Gestalt annehmen.

Von einer Ecke der grauen Wolke

bricht eine Möwe ab

Und der Hahn fliegt aus dem Vulkan

Die Gans läuft

vor die Deichsel der Sonne.

Kurze Entstehungsgeschichte

Und Der Schöpfer gestrandet

in der eigenen Wonne.

So profan, wie es der Titel seiner poetischen Reflektionen über die Welt und was sie seit den Anfängen umtreibt, Glauben macht, ist seine poetische Schöpfungsbilanz natürlich nicht. Sobald der Homo Sapiens ins Spiel kommt, geht fast alles schief, wenn er in seinem Drang nach Macht und Besitz nach der wirkungsvollsten Elementarquelle, dem Feuer greift, das am Ende alles zerstört. Aber es gibt im Prolog zu seiner „Cosmologia profanata“ auch eine aufmunternde Erkenntnis; dass „nach all dem Spielzeug die Form entsteht, die rückwärts geht“… mit dem „Schatten des Menschen im Sternbild des Krebses.“
Das mag jetzt ein bisschen mythisch klingen, nach einer poetischen Grundlagenforschung, was unsere aktuelle Lebenswelt betrifft und was wir daraus für Schlüsse ziehen können. Aber genau die wird ja in dieser Ausstellung auch angesprochen. Welche originären Formen werden in Zeiten auch des visuellen Überflusses nur noch überlagert? Und welche zeigen sich erst dann, wenn sie von ihrem Zweck oder Nutzen befreit werden?

Es geht dabei ein bisschen zu wie in einer Alchimistenküche, wo mit allerlei geheimnisvollen Zutaten nach der magischen Formel gesucht wurde, um noch das letzte Staubkorn in einen goldenen Klumpen zu verwandeln. Doch hier im Packhof lassen sich noch ganz andere Verwandlungs- und Transformationsprozesse erkunden:

Auch, dass dabei eine profane physikalische oder chemische Formel in etwas zauberhaft Schönes münden kann, ohne sich gleich rentieren zu müssen.

Die Düngesalze, mit denen Silke Rokitta experimentiert hat, finden alle ihre praktische Verwendung in der Landwirtschaft und bei Blumenzüchtern; auch schön geordnet nach ihrem Nutzen für die Ertragsquote. Jetzt glitzern die Bitter- und Kalisalze neben den Magnesium und Kupfersulfaten wie kleine Karfunkel auf Büttenpapier. Die salzige Lösung treibt Blütenformen aus, die Anmutung von Samt und eine herzförmige Silouette mit Flügeln. Auf den unscheinbaren Salzbetten schimmern die Kristalle in vielen Farben und sind ein verführerischer Anblick in ihren vielfältigen Formen, wie sie bereits in Salzkörnen eingelagert sind. Mit den Elementen Wasser und Feuer in einer hitzigen Brühe beginnt der Prozess der Rückverwandlung und der Befreiung. Die kristallinen Strukturen finden wieder zusammen und nehmen Gestalt an. …“

Tina Fibiger, Auszug aus der Ansprache, 05.07.2015, Hann. Münden

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