Matrix

Die Arbeiten der Künstlerin scheinen auf den ersten Blick einer geologischen Sammlung oder einem Forschungslabor zu entstammen. Doch statt der Fundstücke aus der Natur wurden die kristallinen Objekte aus Düngesalzen gezüchtet. Dabei spielen chemische Prozesse eine Rolle, die von der Künstlerin initiiert, begleitet und kontrolliert werden. Neben den frei stehenden Kristallen dient Papier als Unterlage, auf dem die Düngesalze eine Art Kruste bilden. Die so entstandenen Bildobjekte zeigen surreale Landschaften, die fragil und kostbar wirken.

Die Auseinandersetzung mit Formen und grundlegenden Strukturen setzt sich in einer intensiven Beschäftigung mit den Mustern neolithischer Keramik fort. Diese werden aus dem Zusammenhang gelöst, in Linolschnitt umgesetzt und als zeichenhafte Abfolge unter Verwendung von Erdpigmenten auf Papier gedruckt. Sie wirken wie frühe Schrift- oder Zeichensysteme, die keine Lesbarkeit im üblichen Sinne besitzen, sondern durch Rhythmus, Form und Wiederholung bestechen.

Zeitliche Prozesse und ein forschender Ansatz spielen eine erhebliche Rolle bei den Werken der Künstlerin, die in Hannover lebt und arbeitet.

 

Julienne Franke, Städtische Galerie Lehrte, 2019

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