Ströme

Markus Hutter & Silke Rokitta

2018

(Beitrag zu LICHT(e)RÄUME # 4, Großes Gewächshaus, Bergpark Wilhelmshöhe / Kassel)

MIDI plant sonification device, Elektroden, Steuerungselektronik, Lautsprecher, Scheinwerfer

Alles, was lebt, wird durchströmt: von Blut, von Säften, von Wassern und Lymphen.

Elementare Stoffwechselvorgänge innerhalb der Pflanze verwandeln sich in „Ströme“ in wahrnehmbare Impulse. Wir übersetzen die „Ströme“ in  Licht und Ton und ermöglichen so Hinweise auf das üblicherweise verborgene  Geschehen.

Wir kehren die Richtung der Kommunikation um: nicht wir sprechen mit der Pflanze – sondern sie mit uns.

Hier vor Ort spricht ein Baumfarn mit uns, eine sehr alte Art, die schon seit mehreren hundert Millionen Jahren auf der Erde existiert. Seine Vorfahren bildeten tropische Sumpfwälder gemeinsam mit anderen Sporenpflanzen-Gruppen. Die Ablagerungen dieser riesigen Wälder bildeten im Lauf der Jahrtausende und Jahrmillionen Steinkohleflöze.

Dieser Baumfarn, ein Dicksonia antarctica, lebt in den kühlen und feuchten Küstenwäldern Australiens und Tasmaniens. Seine Form hat sich im Laufe der geologischen Zeitalter kaum verändert, er ist ein lebendes Fossil.

Wir können rätseln, was genau in ihm aktiv ist, warum die Impulse sich wann und wie ändern, wir können ungeduldig auf den nächsten Impuls warten.

Wir können ihm einfach zuhören: seinen  Rhythmen, seinen Pausen, seinen uralten Mustern.

 

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Milch Brot

Installation

1112 Notizzettel aus ca. 14 Jahren

2018

 

 

 

Salze – Objekte und Bildwerke

Silke Rokitta

Salze – Objekte und Bildwerke

04.-26.11.2017, Forum S 15, Hannover

Silke Rokitta zeigt in ihrer Einzelausstellung „Salze“ Bildwerke und Objekte aus Düngesalzen.

Düngesalze bestehen aus Mineralien. Salze bilden Kristalle. Der Kristall ist ihre grundlegende Struktur. Befreit von kommerziellen und sachlichen Aspekten gibt Silke Rokitta den Düngesalzen im Kristallisationsprozess ihre grundlegende Struktur zurück.

Das Nützlich-Schädliche wird schön. Die umweltbeeinflussende Substanz verwandelt sich in zufällige ästhetische Form, folgt physikalisch-chemischen Gesetzmäßigkeiten, um das zu werden, was sie in ihrer Substanz wirklich ist.

Ähnlich wie im alchemischen Prozess der Transmutation verändert sich die Substanz in ihrer Qualität. Der künstlerische Prozess wirkt stellvertretend für die Heilung und Bewusstwerdung der grundlegenden Form.

Salze VI

Salze VI – Sechzehn Einzelkristalle aus Monokaliumsulfat (je ca. 11 – 14 cm lang) in Tischvitrine

Salze IV

Düngesalze auf Büttenpapier, ca. 32 x 43 cm, gerahmt, 2017

Salze V

Einzelkristalle auf dem Ursprungssalz auf Tonuntersetzer, unterschiedliche Größen, 2017

Salze III

Düngesalze auf Büttenpapier, ca. 68 x 96 cm, 2017

Salze II

Salze II – Neun Einzelkristalle auf entsprechendem Düngesalz in Tonuntersetzer Ø 20 cm, 2015

von links nach recht und oben nach unten:

Patentkali, Monokaliumsulfat, Kupfersulfat, Hakaphos Rot, Hakaphos Grün, Hakaphos Gelb, Kaliumaluminiumsulfat, Bittersalz, Hakaphos Blau

Konglomerat 01

konglomerat01_klein

Silke Rokitta – Konglomerat 01 – 2016 – Objekt (Plüschtierfüsse und Discokugelmotor, Durchmesser ca. 76 cm)

Kuscheltiere sind Dinge, die nicht als Dinge wahrgenommen werden. Sie sind Projektionsfläche und lebendiges Wesen zugleich, dem magische Eigenschaften zugeschrieben werden. Man kann mit ihnen reden, ihnen Geheimnisse anvertrauen, sie sind Vertrauter, Freund, Verbündeter.


Was passiert, wenn sie wieder Dinge werden, auseinandergenommen werden und neu zusammengesetzt?
Das ist ein Vorgang, der Entsetzen auslöst.
Die Objektpermanenz wird zerstört.
Es ist wieder nur ein Ding. Das Auseinandernehmen ist Mord, ist Meuchelei, mit starken Gefühlen besetzt: Schutz des Unschuldigen, Schutz des Hilflosen, Schutz des Kindlichen.


Neu zusammengesetzt wird es ein Anderes, eine Transformation aus der gleichen Substanz, eine „transmutatio“. (Ob Gold daraus wird, entscheidet der Betrachter.) Die Niedlichkeit bleibt, die neue Form verstört. Die Verstörung ist physisch spürbar, visceral, tief innen. Was ist es nun, die neue Form?


Sie ist ein Organismus, bestehend aus Vielen, eine Zelle aus vielen Zellen, eine Kugel aus gefühlt organischen Bestandteilen.


Ein neues Leben, eine neue Form.

(Text: Silke Rokitta)

Salze I

Düngesalze ermöglichen hohe landwirtschaftliche Erträge und werden in enormen Mengen ausgebracht, sie lassen Pflanzen wachsen, erhöhen die Qualität, gefährden aber auch während der Herstellung und durch erhöhten Gebrauch das Grundwasser und versalzen den Boden.

Befreit von kommerziellen und sachlichen Aspekten gebe ich den Salzen ihre grundlegende kristalline Struktur wieder. Das Nützlich-Schädliche wird schön. Die umweltbeeinflussende Substanz verwandelt sich in zufällige ästhetische Form, folgt physikalisch-chemischen Gesetzmäßigkeiten, um das zu werden, was sie in ihrer Substanz wirklich ist. Weiterlesen „Salze I“

„Existenz“ in der Hessenschau am 26.01.2016

Kürzlich war der Hessische Rundfunk bei uns im Atelierhaus S 15 – der Beitrag über LICHT(e)WEGE in Kassel, die Ausstellungsreihe von Markus Hutter und Herwig Thol, wurde am 26.01.2016 um 19:30 in der Hessenschau des Hessischen Rundfunks im Rahmen einer Reihe über die Rolle des Lichts in der dunklen Jahreszeit gesendet (im letzten Teil gegen Ende der Sendung).

Meine eigene Arbeit „Existenz“, die ich bei LICHT(e)WEGE 2014 gezeigt habe, wurde auch vorgestellt. Mehr Infos zur Arbeit finden sich hier: https://silkerokitta.de/2014/07/06/existenz)

Der Beitrag findet sich im Sendungsarchiv der Hessenschau:
http://hessenschau.de/tv-sendung/video-10398.html

Seit 2002 präsentiert das Projektteam LICHT(e)WEGE internationale zeitgenössische Licht-Kunstwerke in nachtaktiven Ausstellungen.

LICHT(e)WEGE ist auf Facebook zu finden (immer schön liken, ja?) und hat auch eine Website, das nächste Projekt ist für den kommenden Sommer geplant.

https://www.facebook.com/LICHTEWEGE/?fref=ts
http://www.lichtewege.de/

„Existenz“, LICHT(e)WEGE 2014

Inmitten von Dunkelheit schwebt eine bläulich leuchtende Seifenblase zum Boden. Sie zerplatzt. Die nächste Blase sinkt. Auch sie zerplatzt. Nun eine Gruppe von Blasen, klein und groß, sie fallen zu Boden, sie vergehen auf dem Weg dorthin. Seifenblase um Seifenblase entsteht, fällt und löst sich auf, leuchtend, perfekt, zart und vergänglich.

Seit der Antike ist die Seifenblase eine Metapher für die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz.

Silke Rokitta, 2014

 Installation, Seifenblasenmaschine und Licht, Silke Rokitta, 2014


“ Auch das poetische Motiv der Seifenblasen, das Silke Rokitta in ihrem Beitrag „Existenz“ aufgreift, findet sich in unserer Schausammlung. Auf dem Vanitas Gemälde, das im Untergeschoss des Museums hängt, kann der Besucher neben einem Totenschädel auch Seifenblasen entdecken. Weiterlesen „„Existenz“, LICHT(e)WEGE 2014″

Code 01

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Ein Traum. Das Bild einer Stickerei im Kreuzstich vor Augen, blaugrau und anthrazit auf hellem Grund.

Groß, kaum überschaubar. Fragil. Verschlüsselt, regelhaft, ich zeichne das Muster direkt nach dem Aufwachen.

Ein Motiv aus der Tiefe des Unbewußten. Eine Botschaft, binär, wie eine Lochkarte, eine Sprache, eine  Matrix.

Die Bedeutung – ein Geheimnis. Ein Code.

Der Schlüssel fehlt.

Silke Rokitta – Code 01 (Gesticktes Unikat, 76 x 51 cm, 2013)

Parallel Perspective

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Two lines are geometrically parallel if they do not intersect. Two geometrically parallel lines intersect in the distance, meet at horizon for the human eye.
So I wanted to test my human perception: what would happen if I would mark two lines, seemingly parallel for the eye, not intersecting in the distance? They would spread out and would not be parallel in reality anymore – but give an impression of parallelism for human perception.

To mark the lines I used wooden sticks, used for marking tracks in the mountains. I liked the idea to use material close to the place, to offer a connection between my abstract experiment and the site, to avoid materials not common up here. I also liked the easy way of placing and removing the wooden sticks, illustrating an abstract idea in a most reduced, simple way. Black of wood, white of snow, easy like a pencil on paper, like a sketch, the simplified structure of an idea. I found out that my idea sounded simply, but it was difficult to realize. There is no exact measure possible out in the snow. You need somebody who show you the right positions of every stick and direct you by sign, some mark to fix the eye, for example on a window, for the person who helps you, and in the end it is not the mark that decides, it is the human eye. The lines simply have to seem to be parallel, no matter of reality.

In the end I found the lines.

It works.

Parallels do not intersect.

Silke Rokitta, 2007

Parellel Perspective, Silke Rokitta, Wooden sticks, Finsevatnet / Finse, Norway, 2007

Shells

 

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Während der Dionysià Residency im Mai 2008 im isländischen Borgarfjordur eystri wanderte ich viel durch die Umgebung des Dorfes. Hohe Gerüste aus Holz stehen in der freien Landschaft, an ihnen hängt der Kabeljau zum Trocknen. Der Wind bewegt sich, sie stoßen aneinander, klappern leise und hohl. In der ehemaligen Fischfabrik des Ortes hängte ich Miesmuscheln an Wollfäden. In der Zugluft klappern auch sie.

Installation, Muscheln und Wolle, Borgarfjordur eystri, Island, 2008

In einem Haus

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aus „In einem Haus“: Immer gibt es, wenn schon nicht Lösungen, so doch Ansätze. Puzzle, 30 x 40 cm, Silke Rokitta, 2009

Die gesamte Installation findet sich HIER – bitte klicken!

Eng, weit, offen, dunkel, hell, laut, zugig, verschlossen, heimlich.
Mit Luken, mit Fenstern, mit Läden, mit Löchern, mit Klappen, mit Gittern.
Die Mauern werden nach oben hin dünner, die Grundfläche größer. Mehr Licht, mehr Höhe. Die Vögel, die Federn. Staub und Vogelkot. Wind. Steine, Stufen, Holz und Mörtel. Brutplatz. Alter Stadtknochen.

Weiterlesen „In einem Haus“